Juryvotum

Laudatio für die Nike für Preis und Leistung für das 

Verwaltungsgebäude der Stadtentwässerungsbetriebe Köln

gleichermaßen an die Stadtentwässerungsbetriebe AÖR, Köln als Bauherrn

und an die Architekten Schilling Architekten, Köln

 

von Prof. Elsa Prochazka:

Die Rahmenbedingungen für den Bau des neuen Verwaltungsgebäudes der Kölner Stadtentwässerungsbetriebe waren deutlich reduziert – sowohl was die Diversität des Raumprogramms betrifft, als auch das dafür vorgesehene Budget für die Umsetzung. 

Die Antwort lag in den Parametern Konstruktionssystem, Schnelligkeit und Budgetumverteilung: Durch die Wahl der Fertigteilkonstruktion in Skelettbauweise kann in kurzer Zeit ein durch präzise Planung reduzierter Sichtbeton einen Rohbau- und gleichzeitig teilweise bereits Ausbaustatus erreichen.

Was den funktional optimierten Bürobau zu einem Architekturbeitrag werden lässt, ist die überlegt gesetzte „Umverteilung“ der Budgetmittel für Ausbaustandards und Haustechnik – aber auch der gekonnte Umgang mit dem Immateriellen: Lichtführung und Einsatz von Farbreflexen im Inneren schaffen ein Arbeitsklima in atmosphärisch unterschiedlichsten Stimmungen, sorgen für eine ruhige, inspirierende Arbeitsumgebung und dienen gleichzeitig als Signal an das Umfeld.

Das Raumprogramm – fast ausschließlich mit Büroarbeitsplätzen für 110 Personen konzipiert – sollte ergänzend zum bereits bestehenden Hauptgebäude mit seinen Sondernutzungen sozusagen als Back-office dienen. Entsprechend knapp waren Zeitrahmen und Baukosten budgetiert.

Diese Herausforderung wurde durch Schilling Architekten positiv angenommen – durchaus keine Selbstverständlichkeit in der Alltagswelt der Umsetzung. Die Herausforderung wurde nicht nur angenommen, sondern auch mit besonderer Sorgfalt und Präzision interpretiert und zum Erfolg für den Bauherrn und die Nutzer geführt.

Somit wird mit diesem Bauvorhaben aber auch gleichzeitig der Umstand gewürdigt, dass sich hier das scheinbare Gegensatzpaar Architektur und Budgetvolumen nicht so einfach festmachen lässt.

Schließlich gelingt es in besonders glücklichen Fällen – wie es dieses Beispiel in hervor-ragender Weise belegt – immer wieder durch den gezielten Einsatz der Mittel auch das Gegenteil zu beweisen.

Das soll nun zukünftige Auftraggeber nicht zum Umkehrschluss verleiten, sondern vielmehr signalisieren, dass qualitätvolle Architektur mehr kann als nur Geld kosten und mehr umfasst, als das, was sich unmittelbar als Kosten niederschlägt.

Im Stadtgefüge erfährt das Verwaltungsgebäude eine räumlich wirksame Kubatur, die selbstverständlich unaufgeregt und zugleich vermittelnd den länglichen Freiraum zwischen Parkplatz 

und Betriebshof besetzt – was kann man mehr erwarten als die angemessene Lösung einer alltäglichen Bauvorgabe, wie sie hier von Schilling Architekten, Köln, mit Professionalität und Bravour alles andere als alltäglich gelöst wurde.