Juryvotum

Laudatio für die Nike für die beste Raumbildung für das 

Museum Luther-Geburtshaus, Eisleben

gleichermaßen an die Stiftung Luthergedenkstätten, Lutherstadt Wittenberg als Bauherrn

und an die Architekten Springer Architekten, Berlin

 

von Cornelia Zuschke:

Zusammen mit der Sanierung des Geburtshauses wurden zwei Neubauten errichtet. Die neuen Gebäude im Gesamtensemble übernehmen eine wichtige funktionelle und stadträumliche Funktion, indem sie zum einen die historische Substanz entlasten und zum anderen Proportionen schaffen, die den Raum transformieren und im Sinne seiner historischen Kontinuität wieder herstellen.

Das Museum Luther-Geburtshaus schreibt in seiner Raumwirkung und seiner Materialität das vorhandene Luther-Geburtshaus und die Luther-Armenschule sensibel fort und komplettiert raumgreifend die bisherigen Solitäre zu einem Gebäudeensemble. Dabei wird die gewachsene Architektur respektvoll aufgenommen, ohne ihr die Eigenständigkeit zu nehmen. Ausdruck findet die erreichte Ensemblewirkung auch durch das museale Konzept, das in Form eines Rundganges aufgebaut ist. Sowohl die alten als auch die neuen Gebäudeteile verbinden sich innen wie außen zu einem wirkungsvollen Raumerlebnis.

Eine Stadt besinnt sich also auf ihre Zukunft und verleiht sich durch geschichtliche Präsenz eine wieder entdeckte Bedeutung. Historische Realität und Erschütterung (Reformation) treffen auf einen gegenwärtig notwendigen Aufbruch und generieren neue bauliche Substanz anstelle der vielerorts geführten Label-Diskussion. Aus der eigenen Geschichte entstehen Städtebau und Raumgefüge neu und formen Innenstadtlandschaft, die für die gesamte städtebauliche Ausrichtung maßgeblicher Anker und neuer Kern wird.

Das Ensemble besteht aus wieder entdeckten „Materialien“ und gewohnten Innenstadt-kubaturen, ohne diese zu kopieren. Die Architektur wirkt durch selbstverständliche und bewusst gewählte Details. Die klar entstehenden Raumfolgen generieren sich aus der Nutzung und dem Verständnis des Ortes und charakterisieren den alten/neuen Stadtraum in neuer bestimmbarer Qualität. Damit erarbeiten die Architekten einen maßgeschneiderten Baustein mit hohem Adaptionsvermögen für die notwendige Auseinandersetzung innerhalb einer kleinen Stadt unter dem Gesichtspunkt von Qualität, Bewusstsein und hochwertiger Architektur.