Wohnquartier Altenhagener Weg, Hamburg
Wohnquartier Altenhagener Weg, Hamburg
Wohnquartier Altenhagener Weg, Hamburg
Fotograf: Bernd Hiepe, Berlin (li.) / Georg v. Gayl, Berlin (re.)
Titel:Wohnquartier Altenhagener Weg, Hamburg
Ort:Hamburg, Altenhagener Weg 1-5, 2-6, Farmsener Zoll 9, 15, 19
Architekt:Springer Architekten, Berlin
Bauherr:Helvetia - Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG

 

Juryvotum

Die Wohnanlage am Altenhagener Weg im Nordosten von Hamburg ist Teil eines Quarttiers, das in seinen wesentlichen Teilen in den 50er und 60er Jahren entstand. Das einheitliche Erscheinungsbild aber auch das gewachsene soziale Umfeld sind durch die zur Zeit notwendigen Sanierungen stark gefährdet. Wegen des sehr hohen Anteils der nach dem Krieg errichteten Wohnbauten hat diese Problematik für die Stadt Hamburg eine exemplarische Bedeutung. Dies war der Grund, im Jahr 2002 für die Sanierung und Nachverdichtung der Siedlung einen Wettbewerb auszuloben, den unser Büro gewinnen konnte.

Trotz wachsender Vermietungsschwierigkeiten und häufigerer Mieterwechsel, bedingt vor allem durch eine sehr einseitige Wohnungsstruktur, machte die Siedlung auch vor der Sanierung einen recht gepflegten Eindruck. Hier kommt die Identifikation der Bewohner, einige von ihnen noch aus der Erbauungszeit der Häuser, mit ihrer Nachbarschaft zum Ausdruck. Auch deswegen wurde angestrebt, trotz der erheblichen Umbauten möglichst viele Mieter in der Anlage zu halten. Ziel der Baumaßnahmen war neben der energetischen Sanierung der Bestandsgebäude, im Rahmen einer moderaten Nachverdichtung auch größere, familiengerechte Wohnungstypen anbieten zu können.

Die gestalterische Angleichung der Neu- und der Bestandsbauten ist sehr weitgehend. Eine signifikante Unterscheidung bleibt so fast nur noch in der unterschiedlichen städtebaulichen Disposition der Baukörper erkennbar. Während die bestehenden Gebäude als nach Südwesten orientierte Zeilen diagonal auf dem Grundstück angeordnet sind, besetzen die Neubauten auf nahezu quadratischen Grundflächen jene verbliebenen Dreiecksflächen an den Grundstücksrändern, die zuvor als Garagenhöfe genutzt worden waren. Im Unterschied zu den bestehenden Häusern sind die Neubauten auch mit ihren Eingängen konsequent den öffentlichen Straßen zugeordnet.

Es erwies sich für die an den Vorbildern aus der Entstehungszeit orientierte architektonische Strategie als Vorteil, daß die Bauherrschaft sehr langfristig kalkuliert. An Stelle der sonst bei Sanierungen üblichen Wärmedämmverbundsysteme können bei diesem Projekt eine neue Ziegelfassade vor der Dämmung und Holz-Aluminiumfenster ausgeführt werden. Wirtschaftlich ist die neue Ziegelfassade in konventionell gemauerter Ausführung hier auch deshalb zu vertreten, weil wegen der höchstens viergeschossigen Bestandsbauten kein bautechnisch problematischer Lastabtrag der Fassade in bestehenden Außenwänden nötig wird.

Mit der Sanierung werden der Primärenergieverbrauch und damit die CO2- Emission der bestehenden Wohngebäude um gut 70% gemindert. In Neubauten und in den Aufstockungen der südlichen Abschnitte der Bestandsbauten werden insgesamt 48 neue Wohnungen mit 3-4½ Zimmern geschaffen, die das bestehenden Angebot aus 108 2-2½-Zimmer-Wohnungen ergänzen. Das Ziel, die hohe Qualität der Grünflächen zwischen den Wohngebäuden auch für die nachverdichtete Siedlung zu erhalten, führte zur Verlagerung nahezu aller Stellplätze in zwei Tiefgaragen unter den Neubauten.

Tatsächlich werden auch nach den Umbaumaßnahmen ca. 70% der Bestandsmieter weiterhin in der Siedlung wohnen. Während viele Mieter in ihre ‚alte’, sanierte Wohnung zurückkehren, haben einige auch das Angebot der größeren Wohnungen in den Neubauten angenommen. Mit der Umsetzung der Sanierung gelang es, die alten Nachbarschaften zu erhalten und die in den letzten 40 Jahren gewachsene Heimat der Menschen zu bewahren.

 

 

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