Birg mich, Cilli!, Viechtach
Birg mich, Cilli!, Viechtach
Birg mich, Cilli!, Viechtach
Fotos: Edward Beierle, München
Titel:Birg mich, Cilli!, Viechtach
Ort:Viechtach
Architekt:Peter Haimerl . Architektur, München
Bauherr:Frau Jutta Görlich und Herr Peter Haimerl

 

Das ursprüngliche Bauernhaus wurde 1840 gebaut. Die Katasterauszüge dokumentieren mehrere Besitzerwechsel (teilweise wurde mit XXX unterschrieben), die zu Aufstockungen und Anbauten führten. 1890 wurde der Dachstuhl angehoben. Das Bauernhaus Cilli spiegelt vergangenes bäuerliches Leben wider: Stall im Haus die Stubn als einziger warmer Kern.ein Austragskammerl an der Nordseite des Gebäudes.der Dachboden als Kornspeicher. Streuschupfn unter dem bis zum Boden herabgezogenen Dach billige Baumaterialien und Recycling von Material. 1974 starb die letzte Bäuerin, Cilli Sigl. 1976 wurde dort die Serie „Drei sind einer zuviel“ mit Jutta Speidel Herbert Herrmann und Thomas Fritsch gedreht. Seitdem steht das Haus leer - bis jetzt.

In den letzten dreißig Jahren wurden im Bayerischen Wald die meisten alten Bauernhäuser zerstört, aus Ignoranz und mangelnder Wertschätzung gegenüber dem „oidn Glump“, vielleicht aber auch m die Zeitzeugen einer gar nicht so guten alten, eher armen Zeit zu tilgen. Der Verlust der architektonischen Tradition dieser Region war die Folge - Platz für das Alte findet sich beinahe nur noch in Bauernhaus -Museumsdörfern. Daher sieht das architektonische Konzept vor, den Bestand - wie ruinös auch immer er sein mag - zu wahren und in die Struktur des alten Bauernhauses „Cilli“ nicht einzugreifen. Die Räume des Altbaus bleiben wie sie sind, es wird kaum Bestehendes entfernt, das gilt für die Fenster, den alten Putz, die Bodenfließen und andere alte Einbauten. Wird doch etwas aus dem Bestand entfernt, werden aus diesem Material Möbel hergestellt: Recycling. In einige wenige zentrale Räume, wie z.B. die alte Stubn des alten Bauernhauses hinein werden Betonkuben plaziert, in denen das neue Leben stattfindet. Diese Kuben wurden aus wärmedämmendem Sichtbeton geschalt. Der Zuschlag aus Blähglas ist gleichzeitig eine Anspielung auf eine im Bayerwald anzutreffende geologische Formation, die als „Quarzkeil“ die Landschaft unterirdisch durchzieht. Das Neue rahmt bildgleich das Alte ein, stützt und schützt es, das Alte nimmt das Neue auf.

 

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